Ich nutze Canva jetzt seit rund drei Jahren immer mal wieder. Für Social-Media-Posts, Instagram-Stories, schnelle Flyer—dafür ist es wirklich gut. Aber jedes Mal, wenn ich damit einen richtigen Produktkatalog bauen wollte, bin ich gegen dieselbe Wand gelaufen.

Die Layouts wissen nicht, was ein „Produkt“ ist. Es gibt keine Möglichkeit, Preise automatisch zu übernehmen. Bei 200 Produkten mit Varianten sitzt man stundenlang am Copy-Paste. Und der PDF-Export? Er funktioniert, ist aber erkennbar für Präsentationen gedacht—nicht für Kataloge, die in den Händen eines Einkäufers professionell wirken müssen.

Also habe ich mich nach Alternativen umgesehen. Nicht „Canva, nur in allem besser“—sondern gezielt Tools, die einen besseren Job machen, wenn am Ende ein Produktkatalog oder Line Sheet stehen soll.

Hier ist, was ich nach dem Testen der einzelnen Tools herausgefunden habe.

Was ist bei Canva für Kataloge eigentlich das Problem?

Um es klar zu sagen: Canva ist kein schlechtes Tool. Es ist nur das falsche Tool für genau diese Aufgabe. Und zwar deshalb:

  • Keine Produktdaten-Anbindung. Sie können Ihren Shopify-Store (oder irgendeinen Store) nicht verbinden und Produktnamen, Preise, Bilder und SKUs automatisch übernehmen. Alles läuft manuell.
  • Keine Variantentabellen. Wer ein T-Shirt in 5 Größen und 8 Farben verkauft, kann das nicht als richtige Bestelltabelle abbilden. Sie müssten sie Zelle für Zelle aufbauen.
  • Aktualisieren ist mühsam. Preise ändern sich. Produkte sind ausverkauft. In Canva öffnen Sie das Design und aktualisieren jedes einzelne Element von Hand.
  • Der PDF-Export ist nicht katalog-optimiert. Die Dateien sind groß, die Seitennummerierung ist rudimentär, und ein Inhaltsverzeichnis wird nicht generiert.
  • Keine Bestellformular-Funktion. Im Großhandel muss der Katalog zugleich als Bestellformular dienen. Das kann Canva nicht.

Für ein 4-seitiges Lookbook für Instagram ist Canva völlig in Ordnung. Aber für einen 40-seitigen Großhandelskatalog mit 300 Produkten brauchen Sie etwas anderes.

1. Flipsnack

Flipsnack kommt einem „katalogspezifischen“ Canva am nächsten. Es startete als Flipbook-Tool und hat sich zum Katalog-Designer weiterentwickelt. Der Editor sieht Canva ähnlich—Drag-and-drop, Vorlagen usw.—ist aber stärker auf mehrseitige Dokumente ausgerichtet.

Was gut ist: Das Flipbook-Ergebnis überzeugt. Kataloge lassen sich als interaktive Web-Flipbooks mit Blättereffekt teilen. Außerdem gibt es Produktkatalog-Vorlagen, die tatsächlich wie Kataloge aussehen—nicht wie umfunktionierte Präsentationsfolien.

Was weniger gut ist: Es bleibt ziemlich viel Handarbeit. Produktdaten aus dem Store importieren Sie nicht. Die Preisstufen werden schnell teuer, wenn Sie mehr als ein paar Kataloge brauchen. Und der Gratis-Plan ist stark begrenzt—die Paywall erreicht man schnell.

Am besten für: Kleine Unternehmen, die interaktive Flipbook-Kataloge wollen und manuelle Dateneingabe nicht scheuen.

2. Marq (ehemals Lucidpress)

Marq positioniert sich als Plattform für Markenvorlagen. Die Idee: Sie erstellen Master-Vorlagen, und Teammitglieder füllen Inhalte ein, ohne das Design zu zerstören. Für Kataloge heißt das: Sie richten ein Produktseiten-Layout einmal ein und verwenden es immer wieder.

Was gut ist: Die Vorlagensperre ist für Teams wirklich nützlich. Über die Datenzusammenführung lässt sich eine CSV importieren und Felder automatisch befüllen—das kommt automatischer Katalogerstellung schon näher. Die Designqualität für Printmaterial liegt eine Stufe über Canva.

Was weniger gut ist: Es gibt keine direkte E-Commerce-Integration. Der CSV-Import funktioniert, ist aber hakelig—alles muss perfekt formatiert sein, sonst bricht er ab. Die Preise liegen auf Enterprise-Niveau und sind für kleine Shops überdimensioniert.

Am besten für: Mittelgroße Unternehmen mit Designteam, die konsistente Markenkataloge produzieren müssen.

3. Visme

Visme ist so etwas wie der businessorientierte Cousin von Canva. Gestartet mit Infografiken und Präsentationen, deckt es inzwischen auch Dokumente ab—einschließlich Produktkatalogen. Die Vorlagenbibliothek für Kataloge ist ordentlich.

Was gut ist: Bessere Datenvisualisierung als Canva. Diagramme, Tabellen und Vergleichslayouts gehen leichter von der Hand. Der PDF-Export ist sauberer, und für digitale Kataloge lassen sich interaktive Elemente einbauen.

Was weniger gut ist: Wie bei Canva gibt es keine Produktdaten-Synchronisierung. Sie bauen weiterhin alles manuell auf. Der Gratis-Plan ist für ernsthafte Arbeit zu begrenzt, und die Lernkurve ist steiler als bei Canva.

Am besten für: Unternehmen, die datenlastige Kataloge mit Diagrammen und Tabellen brauchen und mit manueller Dateneingabe leben können.

4. Adobe Express

Adobe Express (die vereinfachte Variante der Adobe Creative Cloud) tritt als Canva-Konkurrent an. Es bietet Vorlagen, einen Drag-and-drop-Editor und Zugriff auf Adobes Schriften- und Stockfoto-Bibliothek.

Was gut ist: Zugriff auf Adobe Fonts und Adobe Stock (im Bezahlplan). Das gestalterische Limit liegt höher als bei Canva. Wer ohnehin im Adobe-Ökosystem arbeitet, profitiert von der Integration mit Photoshop- und Illustrator-Dateien.

Was weniger gut ist: Speziell für Kataloge hat es dieselben Probleme wie Canva—keine Produktdaten-Anbindung, keine Variantentabellen, keine Bestellformulare. Der Editor ist zudem langsamer und träger als der von Canva.

Am besten für: Adobe-Nutzer, die im Ökosystem bleiben wollen und einfache Kataloglayouts brauchen.

5. EasyCatalogs

Ganz offen—das ist unser eigenes Tool. Ich führe es hier trotzdem auf, weil es genau für die Probleme entwickelt wurde, die ich oben bei Canva beschrieben habe.

Was gut ist: Direkte Shopify-Integration—Produkte samt Bildern, Preisen, Varianten, Metafeldern und SKUs mit einem Klick importieren. Variantentabellen entstehen automatisch. Ändern sich Produkte, aktualisieren Sie den Katalog, ohne irgendetwas neu zu bauen. Integrierte Großhandels-Bestellformulare, mit denen Einkäufer direkt aus dem Flipbook bestellen. QR-Codes und Barcodes werden automatisch generiert. Über 100 Vorlagen, die speziell für Produktkataloge gestaltet wurden.

Was weniger gut ist: Aktuell nur für Shopify. Läuft Ihr Store nicht auf Shopify, ist es nichts für Sie. Die gestalterische Freiheit ist geringer als bei Canva—Sie arbeiten in katalogspezifischen Vorlagen statt auf einer leeren Leinwand. Wer ein völlig freies, künstlerisches Layout braucht, ist mit einem allgemeinen Design-Tool womöglich besser bedient.

Am besten für: Shopify-Händler, die professionelle Produktkataloge, Line Sheets oder Großhandels-Bestellformulare erstellen wollen, ohne Stunden in manuelle Dateneingabe zu stecken.

Schnellvergleich

Funktion Canva Flipsnack Marq EasyCatalogs
Produktdaten-Import Nein Nein Nur CSV Shopify-Sync
Variantentabellen Manuell Manuell Manuell Automatisch
Bestellformulare Nein Nein Nein Integriert
Flipbook-Ausgabe Nein Ja Nein Ja
1-Klick-Update Nein Nein Nein Ja
Gratis-Plan Ja Begrenzt Nein Ja

Welches Tool sollten Sie also nutzen?

Das hängt davon ab, was Sie tatsächlich erstellen.

Wenn Sie ein schnelles 4-seitiges Lookbook brauchen und Canva bereits kennen: Nehmen Sie einfach Canva. Ganz im Ernst—dafür reicht es völlig.

Wenn Sie schicke Flipbooks wollen und Handarbeit Sie nicht stört, lohnt sich ein Blick auf Flipsnack.

Wenn Sie ein größeres Unternehmen mit Designteam sind und Markenkonsistenz brauchen, ist Marq eine solide Wahl.

Aber wenn Sie Shopify-Händler sind und echte Produktkataloge brauchen—mit echten Produktdaten, Preisen, Varianten und der Möglichkeit, alles mit einem Klick zu aktualisieren—dann ist EasyCatalogs genau dafür gebaut. So sieht es aus, wenn man ein Katalog-Tool von Grund auf für E-Commerce entwickelt, statt ein allgemeines Design-Tool zurechtzubiegen.

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